Panama-City - Stadt mit vielen Gesichtern

Von weitem sieht man die Hochhäuser, die in den wolkenlosen blauen Himmel ragen. Sie sind Symbole eines Reichtums, an dem viele teilhaben möchten. Verschwiegen gehen die Banken ihren Geschäften nach, nähren dadurch Gerüchte von Drogenmillionen und Geldwäsche. Dieser Reichtum ist es, der die Landbevölkerung in die Hauptstadt lockt. Jeder hofft, einen kleinen Anteil davon für sich ergattern zu können.

Panamakanal

Wie überall in Lateinamerika ist die Arbeitslosigkeit hoch, nur die Hälfte der Bevölkerung geht einer regelmäßigen Beschäftigung nach. Täglich strömen tausende von Pendlern in die Stadt. Überfüllte Busse und eine hoffnungslos verstopfte Puente de las Americas sorgen dafür, dass man von lateinamerikanischer Gelassenheit weit entfernt ist.

In einem hohen Bogen spannt sich die Brücke über den Kanal. Wie eine riesige Klammer verbindet die Stahlkonstruktion Nord- mit Südpanama. So verbindet sie wieder, was der Kanal trennt. Hoch über dem Wasser braust der Autoverkehr, während tief unten die Schiffe auf Reede liegen und auf die Einfahrt in den Kanal warten. Die Stadt hat viele Gesichter. Neben dem hektischen Geschäftsviertel ist die Altstadt San Felipe eine Oase der Beschaulichkeit. Hier genießt man das Flair einer lateinamerikanischen Stadt. Das Leben spielt sich praktisch auf der Straße ab. Die koloniale Vergangenheit hat dafür gesorgt, das sich viele Völkergruppen hier vereinen. Die alten Häuser lassen viel vom vergangenen Glanz erahnen. Aber überall blättert der Putz, bröckeln die Fassaden. Wen kümmert es? Das Leben ist kurz. Der Eisverkäufer steht vor der Kirche und schabt Eis von einem großen Block.

Kind in Panama

Mit schrillbuntem Sirup übergossen, ist es eine willkommene Erfrischung. In der Nähe hat ein Friseur seinen Stuhl auf die Straße gestellt und bringt Haar und Schnurrbart in Form. Unter einem schattenspendenden Baum sitzen Domino spielende Männer und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein wichtiges Requisit ist die Hängematte. Was ist schöner als die größte Mittagshitze auf einem von Blumen überquellenden Balkon zu verschlafen. Wer keinen Balkon hat, den zieht es ans Meer, wo unter Palmen, Bänke zu einem Nickerchen einladen.

An der Plaza Francesca findet man einen Obelisken zur Erinnerung an den vergeblichen Versuch der Franzosen, den Kanal zu bauen. Auf großen Tafeln ist der Kanalbau dargestellt. So gewinnt man einen Überblick, bevor man sich zu einer Kanalreise entschließt. Sehenswert ist auch der Besuch der Kirche San José. Der vergoldete Altar wurde von Henry Morgan, dem englischen Piraten, übersehen. Ein Mönch soll ihn dunkel übermalt haben, als die Piraten über Panama herfielen. Somit hielten sie ihn für wertlos und ließen ihn unbeachtet. Sehr angenehm ist ein abendlicher Spaziergang, wenn es nicht mehr so heiß ist, auf dem Verteidigungsbollwerk der Stadt. Für einen zusätzlichen Schauer sorgt die Besichtigung der Gefängniszellen. Bei Ebbe wurden die Verurteilten in die auf Meereshöhe liegenden Verließe gebracht, und man musste nur noch auf die nahende Flut warten. Mutter Natur vollstreckte dann das Todesurteil.

Quelle: pairola-media