Die Inside-Passage - entlang Alaskas Pazifikküste

Unsere Reise beginnt in Vancouver. Nicht von ungefähr ist die Stadt einer der beliebtesten Wohnorte in Kanada. Einmalig ist die Lage zwischen den schneebedeckten Bergen und dem Pazifik. Da die Stadt ist ein wichtiges Zentrum im Handel mit Asien ist, ist es nicht verwunderlich, dass Vancouver die Heimat Tausender Chinesen wurde, als Hongkong an China zurückgegeben wurde.

Alaska Infinity

Ihre Läden und Märkte rund um die Powell Street sind eine Fundgrube für Gewürze und allerlei exotische Lebensmittel. Der richtige Ort, um sich nach einem langen Flug zu erholen, ist Granville. Früher ein Teil des Hafenviertels, wurde es liebevoll restauriert. Unzählige Restaurants locken mit ihren Angeboten, besonders Fischgerichte und Langusten, den durch die Gassen bummelnden Spaziergänger. Ein Hort der Ruhe und Erholung ist der größte Stadtpark Nordamerikas, der Stanley Park. Hier stehen noch Reste des einst riesigen Regenwaldes. Eindrucksvoll ragen Jahrhunderte alte Baumriesen in den Himmel. Sie standen schon hier, als das Land noch den Bären und Wölfen gehörte. Ihre bis zu 6 m dicken Stämme haben so manchem Sturm standgehalten. Mit Blick auf die Skyline von Vancouver wird hier Golf oder Tennis gespielt, oder einfach nur am Strand gefaulenzt. Mitten im Park sind Totempfähle aufgestellt, um an die Geschichte der Indianer zu erinnern.

Am Canada Place, dessen Architektur von den Zelten der Indianer inspiriert wurde, liegen die Kreuzfahrtschiffe der verschiedenen Gesellschaften. Ein Schiff größer als das andere. Es herrscht ein regelrechtes Gedränge, denn Kreuzfahrten nach Alaska sind so beliebt wie nie zuvor. Vom Meer her die Gletscher zu sehen, eine unberührte Natur zu erleben und auf historischen Pfaden den Goldgräbern nachzugehen, lockt mehr und mehr Touristen in die Orte an Alaskas Küsten. Unser Schiff, eher schon eine kleine Stadt, ist für die nächsten elf Tage die Infinity. Von der Größe und den Dimensionen des Schiffes überwältigt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Schon der marmorne Eingangsbereich nimmt jeden gefangen. Aber schnell verliert man Berührungsängste. Die Kabinen sind schnell gefunden, schnell fühlt man sich in der komfortablen und modernen Umgebung heimisch. In der Zwischenzeit hat die Infinity unbemerkt die Pier verlassen. Dank moderner Gasturbinen, verläuft das Ablegen geräuschlos. Kein Zittern oder Vibrieren ? nur plötzlich werden die Hafenanlagen kleiner. Wir nehmen Kurs auf die Inside-Passage.

Alaska

Die Route führt entlang des schmalen Küstenstreifens, begrenzt durch die hohen Berge auf dem Festland und den vorgelagerten Inseln. Sie sind von üppiger Vegetation bedeckt und schützen die Passage vor den Stürmen. Die Landschaft wurde geprägt, als sich die mächtigen Gletscher der Eiszeit zurückbildeten. Der Pazifik füllte die tiefen Fjorde aus, es bildeten sich einsame Buchten. Unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Mit Nadelwald bewachsene Berge säumen den Kanal. Vom Hauptverkehrsweg der Fischehrboote, Fähren und Kreuzfahrtschiffe, immerhin 1000 Meilen lang, zweigen kleine Wasserwege ab. Sie verschwinden im Nirgendwo der endlosen Weite. Die wenigen Menschen, die in dieser Einsamkeit zu Hause sind, leben vom und mit dem Meer. In kleinen Fischerbooten gehen sie ihrer Arbeit nach, denn das Meer ist reich an Fisch, Krabben und Langusten.

Die Stadt verdankt ihre Existenz dem Goldrausch vor ca. 120 Jahren. Wie viele Siedlungen entlang der Inside-Passage ist sie nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Erbaut wurde Ketchikan im typischen Stil der Küstenorte: auf Pfählen stehen die Docks und Lagerhäuser, dann die Hauptstraße mit den Geschäften, die nach einigen Kilometern in der Wildnis endet. Was oft als Straße bezeichnet wird, ist eine Treppe, denn die bunten Holzhäuser ziehen sich die bewaldeten Berge hinauf. Heute lebt die Stadt immer noch vom Fisch und Holz und vom Tourismus.

Früh am Morgen macht die Infinity in Ketchikan fest. Und alle sind da: Taxifahrer, Fremdenführer, Piloten der Wasserflugzeuge und die Kapitäne der Charterboote. Alle stürzen sich mit einem ?smile? in die Schlacht um den Dollar. Auch die Souvenirläden sind schon geöffnet, denn auch sie wollen ihren Anteil an dem zu erwartenden Geldregen, es gehen schließlich fast 2000 Menschen von Bord. Die Stadt wird regelrecht überschwemmt. Unzählige Andenkengeschäfte versuchen Souvenirs, Kunst und Kitsch an den Mann/Frau zu bringen. Das Angebot ist sich ziemlich ähnlich, nur im Preis unterscheiden sich die Artikel.

Wer mehr vom Ort sehen will als Pelzgeschäfte und Edelsteine aus Tansania, bekommt im Visitor Center an der Front Street ausführliche Informationen und eine Straßenkarte. Zu Fuß geht es am Chief Johnson Totem vorbei über die Brücke zur Creek Street. Eigentlich ist es keine Straße, denn ein hölzerner Fußweg führt entlang des kleinen Gewässers. Leicht errötend erzählt die Reiseleiterin von der Geschichte der Creek Street und den wilden Jahren. In Scharen kamen damals Holzfäller, Fischer und Glücksritter in die Stadt, um hier ihr Vergnügen zu suchen. In den 20 Bordellen betrieben die Damen ihr ?Geschäft?, immer bereit, den Goldsuchern ihre Nuggets aus den Taschen zu ziehen. Die lustvolle Zeit hatte ein Ende, als die Bordelle 1954 geschlossen wurden. In der Zwischenzeit hat das alte Rotlichtviertel längst seinen ruf gebessert. Viele der alten Häuser sind renoviert und beherbergen, was sonst -Geschäfte. An die alte Zeit erinnert nur noch das Dolly House Museum. Die Dame Dolly war die geschäftstüchtigste, und ihr plüschiges Etablissement kann gegen Eintrittsgebühr besichtigt werden. Eine Seilbahn führt hinauf zum Fox Hotel. Unter uns liegt die Stadt mit dem Hafen. Die Aussicht lässt sich auch gut mit einem Lunch im Restaurant verbinden. Dann genießt man beides gleichzeitig, die Landschaft und das Essen.

Quelle: pairola-media